Alles begann 2005, als der ehemalige Mittelfeldspieler des FC St. Pauli Benjamin Adrion bei einem Trainingslager auf Kuba war. Dort erfuhr er von der problematischen Trinkwassersituation und wollte helfen. Gesagt, getan: Er rief den Verein “Viva con Agua de Sankt Pauli e.V.” (Leben mit Wasser von Sankt Pauli) ins Leben und schon ein Jahr später konnten in Kubas Hauptstadt Havanna 153 Kindergärten und 4 Sportstätten mit Trinkwasserspendern ausgestattet werden.
Konzerte und Kicken für sauberes Trinkwasser
“Viva con Agua” (kurz VcA) setzt sich für sauberes Trinkwasser und bessere Sanitäranlagen in Entwicklungsländern ein sowie für Umweltschutz und Aufklärung zum Thema Wasser. Die Organisation versteht sich zudem als offenes Netzwerk und als Plattform für Eigeninitiative in der Entwicklungshilfe. Und das Konzept geht auf! Der Verein hat weltweit 12 Projekte umgesetzt und zahlreiche Niederlassungen von Berlin bis Basel. VcA versteht sich übrigens nicht als ‘Non-Profit’-, sondern als ‘All-Profit’-Organisation’. “Bei uns profitieren alle Beteiligten”, erklärt Christian Wiebe (37), Pressesprecher und überzeugtes Mitglied des Vereins. “Spender und Künstler haben Spaß, Menschen in armen Ländern erhalten Zugang zu sauberem Trinkwasser.”
Die Spenden kommen hauptsächlich durch kulturelle und sportliche Events zustande. Bands wie “Wir sind Helden” oder “Fettes Brot” unterstützen VcA bei Benefizkonzerten. Hamburger Locations wie das “Schmidt Theater” machen Events möglich und Clubs wie das “Uebel & Gefährlich” oder der legendäre “Pudel Club” sorgen für Partylaune. Bei großen Festivals können Besucher ihre Pfandbecher in die Sammelboxen werfen, die der Verein dann in Bares umtauscht. Da der FC St. Pauli offizieller Unterstützer des Projektes ist, gibt es natürlich auch Benefizfußballturniere. Außerdem veranstaltet der Verein regelmäßig Spendenläufe wie den 39tägigen Wassermarsch von Hamburg nach Basel und die “Viva con Agua Wassertage”, ein Charity-Festival über zwei Wochen.
Nachhaltigkeit steht im Vordergrund
Alle Projekte werden in Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe (WHH e.V.) umgesetzt. Christian Wiebe: “Die Welthungerhilfe hat ein professionelles Netzwerk und gute Kontakte zu Partnern vor Ort, zum Beispiel zu Bau-Unternehmen. Wir sind kreativ und haben frische Ideen. Das ergänzt sich sehr gut.” Innerhalb von fünf Jahren konnte VcA so etwa 50.000 Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen, z.B. durch den Bau von Brunnen in Äthiopien, Benin, Madagaskar, Nicaragua und Kambodscha, durch Quelleinfassungen in Ruanda und Ecuador sowie ein neues Trinkwassersystem in Tadschikistan. Aktuell soll in Kenia der Bau eines Felsregenfangs ermöglicht werden. Auch in Haiti soll eine nachhaltige Trinkwasserversorgung aufgebaut werden, sobald der Katastrophenschutz seine Arbeit getan hat.
Um noch mehr Gelder in Entwicklungshilfe-Projekte fließen zu lassen, hat das Team um VcA-Initiator Benjamin Adrion eine weitere tolle Idee entwickelt: Wasser für Wasser! Ab Ende März gibt es das offizielle “Viva Con Agua Quellwasser” in einer schicken blauen 0,3-Liter-Flasche. Das Wasser, das es in “laut” und “leise” (mit und ohne Kohlensäure) gibt, stammt aus der Husumer Quelle, also aus der Region. Zu kaufen gibt es das kühle Nass in Kneipen und im Handel im Großraum Hamburg. Die Gewinne fließen zum Teil in die neu gegründete “Viva con Agua Stiftung”, mit der noch mehr Nachhaltigkeit garantiert werden soll, zum anderen in den Ausbau des Vereins und aktuelle Projekte.
Info-Kasten:
“Willst du dabei sein? Auch du bist der Tropfen!”
Mach mit beim offenen Netzwerk von Viva con Agua:
www.vivaconagua.org, www.myspace.com/vovaconagua
oder spende Geld Hamburger Sparkasse | BLZ: 200 505 50 | Konto: 12 68 135 181
Viva con Agua e.V. ist als gemeinnützig anerkannt
Schul-Info: Anderthalb Kilometer können ganz schön lang sein!
Leider ist es nicht selbstverständlich, ausreichend sauberes Wasser zur Verfügung zu haben, schon gar nicht in der unmittelbaren Umgebung. Laut UN-Standard wird es schon als menschenwürdig angesehen, wenn jemand nicht weiter als 1,5 Kilometer von der nächsten Wasserquelle entfernt ist. Um zu testen, wie weit das ist, legt “Viva con Agua” diese Strecke mit Schulklassen bis zu einem Bach zurück. Der Hinweg ist dabei noch kein Problem. Doch der Rückweg soll mit gefüllten Kanistern zurück gelegt werden – so ein 10-Liter-Kanister kann verdammt schwer und anderthalb Kilometer verdammt lang werden!